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Yoni Steaming mit ätherischen Ölen

Kaum ein Thema wird in der internationalen Steaming-Community so kontrovers diskutiert wie Yoni Steaming mit ätherischen Ölen: „Nein, auf keinen Fall!“ „Doch, natürlich!“ „Ja, aber unter bestimmten Voraussetzungen!?“ So manche Anwenderin ist verwirrt. Ich habe mich gefragt: Was sagen die Profis in Sachen Ätherische Öle zu dem Thema?


Für diesen Blogartikel bin ich in die Welt der Aromatherapie eingetaucht. Du erfährst zunächst, wie sich dieser Fachbereich definiert und was ätherische Öle eigentlich genau sind. Dann lernst du die Sicht von Aromaexpert*innen aufs Sitzdampfbad - so der in der Aromatherapie häufig verwendete Begriff – sowie konkrete Anwendungsbeispiele und bewährte Öle kennen. Am Ende weißt du, warum die richtige Dosierung hier so wichtig ist und wie ein achtsames und verantwortungsbewusstes Steaming mit ätherischen Ölen konkret aussehen kann.


Aromatherapie in Deutschland


Die Aromatherapie ist ein in Deutschland anerkannter Teilbereich der wissenschaftlich orientierten Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) und befasst sich mit der (fach-)therapeutischen Anwendung von ätherischen Ölen zur Vorbeugung, Linderung und Behandlung von Krankheiten und Beschwerden.

Aromapflege beschreibt in Abgrenzung zur Aromatherapie die Nutzung von ätherischen Ölen durch Selbstanwender*innen und Pflegefachkräfte. Hier geht es vor allem um Körperpflege und die Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens. Auch Alltagsbeschwerden wie zum Beispiel Schlafstörungen oder Hautirritationen werden in der Aromapflege mit ätherischen Ölen adressiert.

In der Fachwelt werden beide Bereiche mittlerweile auch unter dem Begriff „pflegetherapeutische Aromakultur“ (PTAK) zusammengefasst, um zu zeigen: Therapie und Pflege gehen mit ihren Anwendungsbereichen und -möglichkeiten Hand in Hand.


Doch was sind ätherische Öle eigentlich genau?


Ätherische Öle sind in den Blüten, Samen, Fruchtschalen, Blättern, Wurzeln, Harzen, Rinden und im Holz verschiedenster Pflanzen zu finden. Wir erkennen diese Pflanzen(teile) daran, dass sie besonders stark duften: Rosen- und Lavendelblüten, Angelikawurzel und Wacholderholz sind Beispiele. Für den Duft verantwortlich sind winzige Öltröpfchen, die in Öldrüsen in und auf dem Pflanzengewebe gebildet werden. Es handelt sich dabei um chemisch komplexe Vielstoffgemische, die leicht flüchtig sind und duften. Für die Pflanzen sind ihre ätherischen Öle wirkmächtige Instrumente: Sie locken Insekten zur Bestäubung an und halten Schädlinge fern. Sie schützen vor Hitze, Austrocknung und Kälte. Sie wehren Bakterien, Viren und Pilze ab.





Yoni Steaming mit ätherischen Ölen


Einige dieser Eigenschaften machen sich Aromatherapeut*innen und Selbstanwender*innen auch in Bezug auf den menschlichen Körper zunutze. Denn auch hier sind ätherische Öle wirksam, zum Beispiel gegen Pilze, Viren und Bakterien, das haben wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt (1). Ein konkreter Anwendungsfall aus der Aromatherapie ist das Sitzdampfbad mit keimtötend, durchblutungsfördernd und entkrampfend wirkenden ätherischen Ölen als therapiebegleitende Maßnahme bei Blasenentzündungen (2). Die Autorinnen des Standardwerks „Praxis Aromatherapie“ empfehlen dafür folgendes Vorgehen:


  • Sitzvorrichtung vorbereiten, zum Beispiel Sitzbadewanne in die Toilettenschüssel einsetzen.

  • Warme Socken anziehen.

  • Erst das heiße Wasser, dann die Öle nach Rezept ins Aufgussgefäß geben. Bei einer bakteriellen Blasenentzündung kommen wenige Tropfen einer Aromamischung aus Bergamotte, Thymian, Lavendel, Niaouli, Muskatellersalbei und Wacholder zum Einsatz; bei einer Blasenentzündung durch Unterkühlung wenige Tropfen einer Mischung aus Kamille, Melisse und Lavendel (2).

  • 10-15 Minuten über die Dämpfe setzen, dabei den Unterleib mit einem Badetuch umwickeln, um ein Auskühlen zu verhindern.

  • Gut abtrocknen und im Bett gegebenenfalls mit einer Wärmflasche nachruhen (verstärkt die Wirkung!) oder warm anziehen und eine Stunde lang nicht nach draußen gehen.

  • 1 - 2 mal täglich, mittags und abends anwenden.(3)



Schnelle Wirkung über die Schleimhäute


Das Sitzdampfbad bringt bei einer Blasenentzündung zum einen Wärme ins Becken, was die Durchblutung fördert, Muskeln entspannt und dadurch Schmerzen lindert; der Dampf fungiert zum anderen als Transportmittel für die ätherischen Öltröpfchen. Die sind fettlöslich und auf Molekülebene winzig klein. Dadurch können sie die Phospholipidschicht der Zellen durchdringen und werden von der Haut gut resorbiert (4). Nach einem Vollbad mit ätherischen Ölen lassen sich die Wirkstoffe bereits nach 20 Minuten im Blut nachweisen (5). Noch schneller und intensiver ist die Wirkung über die Schleimhäute, schreiben Werner/Braunschweig in „Praxis Aromatherapie“. Sitzdampfbäder mit ätherischen Ölen sind im aromatherapeutischen Bereich unter anderem dann interessant, wenn es auf schnelle und effektive Hilfe, auf zielgerichtetes Handeln ankommt.



Breites Anwendungsspektrum


Ein weiteres Anwendungsbeispiel aus der Aromapraxis sind Sitzdampfbäder zur Vorbeugung von Infektionen im Wochenbett. Hierfür eignen sich nach Werner/Braunschweig Lavendel- und Teebaumöl als desinfizierende und wirksame Zusätze (7). Natalie Stadelmann, meine Mitautorin des 2023 erschienenen Ratgebers „Yoni Steaming“ beschreibt viele weitere ätherische Öle, die aufgrund ihrer wissenschaftlich anerkannten Eigenschaften und/oder Wirkungen fürs Yoni Steaming plausibel erscheinen, unter anderem in den Bereichen Selbstfürsorge, Zyklusachtsamkeit, gesundheitliche Beschwerden, Sexualität, Kinderwunsch, Schwangerschaft und Geburt. Dabei ist der Aromaexpertin eines besonders wichtig: „Ein bewusster und verantwortungsvoller Umgang sowie beste Qualität sind Voraussetzung für eine sichere Anwendung.“ (8)



Auf die Dosierung kommt es an


Für einen verantwortungsvollen Umgang braucht es das Bewusstsein, dass in einem kleinen Fläschchen mit destilliertem ätherischen Öl unglaublich viel Pflanzenmaterial steckt. Zur Veranschaulichung: Um 1 Liter ätherisches Melissenöl zu erhalten, braucht es rund 8 Tonnen Melissenblätter (9). Wir haben es also mit Pflanzenstoffen in höchster Konzentration zu tun, die wir im Sitzdampfbad - wenn es unterstützen und heilen soll - richtig dosieren müssen. Dazu Natalie Stadelmann: „Bei gut haut- und schleimhautverträglichen ätherischen Ölen, wie zum Beispiel Lavendel oder Rosengeranie, und bei Aromamischungen haben sich 3 bis 5 Tropfen auf 1 bis 2 Liter heißes, nicht mehr kochendes Wasser bewährt. Sehr intensiv duftende, kostbare Öle wie Rose, Jasmin, Sandelholz und hoch wirksame Öle wie Angelikawurzel oder Kamille werden niedriger dosiert, hier genügen meist 1 bis 2 Tropfen pro Steaming.“ (10)

Anwenderinnen mit der Sorge, die ätherischen Öle seien auch in dieser niedrigen Dosierung zu intensiv für die Vaginalschleimhäute, kann die Aromaexpertin beruhigen: „Bei der Anwendung übers Yoni Steaming gelangen die ätherischen Öle nach und nach mit dem Wasserdampf zu den Schleimhäuten und entfalten so ihre Wirkung auf besonders sanfte Weise. Aus Untersuchungen ist bekannt, dass die Anwendung auch auf Schleimhäuten sicher und verträglich stattfinden kann, insofern eine geeignete Anwendungsform und Dosierung gewählt wird. So sind beispielsweise Sitzbäder eine etablierte und gebräuchliche Anwendung bei Vaginalinfektionen- und hier kommen die Schleimhäute teils mit wesentlich höheren Konzentrationen in Berührung. Und denken wir an die bewährte Anwendung von Dampfinhalationen bei Erkältungen- auch diese sind sicher und verträglich, wenn Auswahl, Qualität, Dosierung, Anwendungshäufigkeit (und in diesem Fall besonders wichtig das Altern der inhalierenden Person) beachtet werden.

Auch dass ätherische Öle auf Dauer austrocknend wirken würden, hält Stadelmann bei richtiger Anwendung für nicht plausibel. „Wichtig ist, das die ätherischen Öle in angemessener Dosierung verwendet werden. Um die Schleimhäute nach dem Sitzdampfbad in ihrem Fett- und Feuchtigkeitsgehalt zu stabilisieren, ist eine Pflege mit Hydrolaten und naturreinen, kaltgepressten Pflanzenölen ideal.


Begrenzte Haltbarkeit


Zu einem verantwortungsvollen Umgang mit ätherischen Ölen gehört auch das Wissen, dass ätherische Öle nach Anbruch zum Teil nur begrenzt haltbar sind, eigene Mischungen oft nur wenige Wochen. Warum ist das so? Die Bestandteile ätherischer Öle sind sehr reaktionsfreudig. Das heißt, dass sie sowohl miteinander als auch mit dem Luftsauerstoff reagieren. Im schlimmsten Fall entstehen dabei Substanzen mit gesundheitsschädlicher Wirkung. Da viele ätherische Öle jedoch teuer sind, ist die Versuchung groß, einzelne Öle und Mischungen nicht nach Ablauf ihrer Haltbarkeit wegzuwerfen. Neben der Wirtschaftlichkeit ist es auch eine Frage der Nachhaltigkeit: Wer möchte die kostbaren Pflanzenstoffe schon leichtfertig entsorgen?

Im Spannungsfeld von Gesundheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit empfiehlt es sich, für den Hausgebrauch nur diejenigen ätherischen Öle anzuschaffen, die auch tatsächlich benutzt und vor Ablauf ihrer Haltbarkeit vollständig aufgebraucht werden. (11)



Steaming mit ätherischen Ölen: Nachhaltig und verantwortungsbewusst


Wer zum Beispiel bei einer akuten Blasenentzündung einmalig mit Kamille steamen möchte – in dem Fall genügt ein einziger Tropfen ätherischen Kamillenöls im Wasser - greift besser zu getrockneten Kamillenblüten. Die lassen sich bei der nächsten Erkältung oder Magenverstimmung auch als Tee zubereiten und kommen wahrscheinlich schneller weg als ein angebrochenes Fläschchen „Kamille“ im Apothekerinnenschrank. Eine weitere Alternativ sind gebrauchsfertige Aromabadesalze, die zum Teil auch ätherisches Kamillenöl enthalten und sich neben der Anwendung fürs Steaming auch als körperpflegende Badezusätze eignen.


Anders sieht es aus bei Allrounderölen wie dem „Echten Lavendel“. Der ist vielseitig einsetzbar: Im Sitzdampfbad bei Nervosität, Stress und Schlafstörungen, bei Vaginalinfektionen, nervösen Verdauungsstörungen, Haut- und Schleimhautreizungen, Wundsein, im Spätwochenbett, bei Krampfadern der Vulva (Vulvavarizen), bei Hämorrhoiden und Zyklusbeschwerden (12). Zusätzlich ist ätherisches Lavendelöl ein Multitalent im Haushalt: Hier eignet sich das Öl zum Beispiel als wohlriechender Zusatz in Putz- und Waschmitteln oder als Mottenschutz im Kleiderschrank. Ein Fläschchen „Echter Lavendel“ wird in den wenigsten Haushalten alt und kann daher guten Gewissens auch fürs Steaming angeschafft werden.



Fazit


Der Fachbereich der Aromatherapie/ PTAK befasst sich mit ätherischen Ölen als Heilmittel. Eine Anwendungsform ist das Sitzdampfbad, zum Beispiel als unterstützende bzw. therapiebegleitende Maßnahme bei Blasenentzündungen. Auch in den Bereichen Selbstfürsorge, Zyklusachtsamkeit, Sexualität, Kinderwunsch, Schwangerschaft, Geburt und Spätwochenbett kann aus Sicht von Aromaexpertinnen mit ätherischen Ölen gesteamt werden. Voraussetzung für eine sichere Anwendung der hochkonzentrierten Pflanzenstoffe ist jedoch die richtige Dosierung, die je nach Öl unterschiedlich und in jedem Fall sparsam ist. Im Sinne eines nachhaltigen Handelns gilt es für den Hausgebrauch nur Öle anzuschaffen, die vielseitig einsetzbar sind und vor Ablauf ihrer zum Teil begrenzten Haltbarkeit auch tatsächlich aufgebraucht werden.



Verwendete Literatur


  • FORUM ESSENZIA e.V.: FORUM Sonderausgabe Wegweiser „Pflegetherapeutische Aromakultur“. Wiggensbach: Stadelmann Verlag 2021.

  • Germann, Peter: Pflanzen der Aromatherapie. Stuttgart: Kosmos Verlag 2012.

  • Stadelmann, Natalie und Teresa Keck: Yoni Steaming. Praxisbuch Dampfsitzbad - Grundlagen, Anwendungen, Selbstfürsorge. 2. Auflage. Wiggensbach: Stadelmann Verlag 2024.

  • Werner, Monika und Ruth von Braunschweig: Praxis Aromatherapie. Grundlagen - Steckbriefe - Indikationen. 6. Auflage. Stuttgart: Thieme Verlag 2020.



Zitatnachweise


  1. Werner/Braunschweig S.33

  2. Werner/Braunschweig S. 357

  3. Werner/Braunschweig S. 101

  4. Werner/Braunschweig S.31

  5. German S. 17

  6. Werner/Braunschweig S.30

  7. Werner/Braunschweig S.361

  8. Stadelmann/Keck S.35

  9. Werner/Braunschweig S.90

  10. Stadelmann/Keck S. 46

  11. Stadelmann/Keck S. 28

  12. Stadelmann/Keck S. S.124



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Über mich / Wer hinter diesem Artikel steht


Ich bin Teresa, Diplom-Germanistin, Erwachsenen- und Montessoripädagogin mit einer großen Leidenschaft fürs Thema Frauengesundheit. 2019 habe ich www.yunna.org mitgegründet. Die Seite informiert über das alte Hausmittel der Dampfsitzbäder, das gerade so viele Frauen begeistert als "Yoni Steaming" neu entdecken. 2023 ist das "Praxisbuch Dampfsitzbad" erschienen, das ich gemeinsam mit der Aromaexpertin Natalie Stadelmann im Stadelmann-Verlag veröffentlich habe.


Bitte beachte: Ich bin keine Ärztin, Apothekerin oder Heilpraktikerin. Die in diesem Artikel vermittelten Informationen können bei Unsicherheiten in Bezug auf den eigenen Gesundheitszustand nicht die Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine medizinische Fachperson ersetzen.

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